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Von Claudia Rothe, am Oktober 15th, 2012% Ich muss hier unbedingt einen Blogpost vorstellen, den ich schon im September in meinem Feed hatte. Bisher bin ich nur noch nicht dazu gekommen. Als Namenforscher und auch als Gutachtenschreiberin für Vornameneintragungen beim Standesamt, freut es mich, von Mamas (und Papas) zu lesen, die sich echt Gedanken machen, wie sie ihr Kind nennen und alle Kriterien abarbeiten, die wir als Sprachwissenschaftler werdenden Eltern immer ans Herz legen (meistens ohne Erfolg).
Der Blog an sich ist wunderbar. Ich lese ihn regelmäßig. Hier ist ein kurzer Ausschnitt aus dem Post. Mehr gibts auf dem Originalblog:
Das Duden Vornamenlexikon enthält mittlerweile über 8000 Namen, alleine im letzten Jahr sind 200 neu dazu gekommen. Da steht man als Eltern vor einer enormen Aufgabe, aus dieser Menge genau den Richtigen für das eigene Kind raus zu suchen.
Den Namen vergibt man für ein Leben lang, ein Baby wird ihn tragen, ein Jugendlicher, eine Mama/Papa und schließlich ein Senior. Was als Baby noch süß klingt, kann bei einer Geschäftsfrau unseriös wirken, der Name eines gestandenen Mannes bei einem Kind befremdlich.
(c) L’inutile
Ich möchte mich bei der Mama bedanken, dass sie einen so tollen Artikel über die Qual der Wahl der Vornamensuche geschrieben hat. Das ist sooo selten!
Von Claudia Rothe, am August 9th, 2012% Normalerweise enthalte ich mich ja jeglicher (öffentlicher) Wertung bei der Namenwahl anderer Menschen, aber DIESES Mal mache ich eine Ausnahme. In Namenforscherkreisen wird fast ohne Unterlass darüber diskutiert, wie die Vornamenwahl sich auf das Wohl des Kindes auswirken kann. In Deutschland haben wir ja kein richtiges Gesetz, dass bei der Vergabe, sagen wir mal, unschöner Namen, eingreift; jedoch gibt es Regelungen, die es dem Standesbeamten erlaubt einzuschreiten – leider wird unser Vornamenschatz durch Medien, Globalisierung etc immer größer und viele viele Namen, die es früher nicht in Deutschland auf irgendeine Liste schafften, stehen da jetzt drauf. Natürlich ist das an sich nichts Schlechtes! Wir haben ja immerhin das Recht auf freie Namenswahl. Dass Standesbeamte etwas gegen einen Namen haben, ist ja auch nicht sooooooo häufig – meistens geht es da um Schreibweisen, wo ein Gutachten hilft. Der Kreativität deutscher Eltern wird nicht im Geringsten Abbruch getan.
Gestern habe ich in der Mitteldeutschen Zeitung wieder mit Interesse die Babyseite studiert und erst gar nicht bemerkt, was einem neuen Erdenbürger da namenkundlich zugestoßen ist. Beim zweiten Hinschauen musste ich erst lachen und dann hätte ich am liebsten geweint. Für den kleinen Knopf, der sicher einiges an Hänseleien vor sich haben wird. Da es in der Zeitung ja publiziert wurde, denke ich, ich begehe keine Verletzung von Persönlichkeitsrechten, wenn ich den Namen hier nenne*:
Rudi Silvester Rakete
Lustig? Kreativ? Besonders? Individuell? Jaja, so müssen Vornamen heute sein. Und Geschmackssache. Na solange es nur der zweite Vorname ist… Den muss er ja nicht nennen. Hauptsache, der kleine Kerl wird nicht wie sein Opa aus der Klasse geschickt, nur weil er Rakete, oder besser gesagt Silvester Rakete, heißt…
Vor einiger Zeit wurde der Familienname ‘Rakete’ im Namenspiel auf RadioEins durch Prof. Dr. Jürgen Udolph erklärt. Ich fasse mal zusammen: Es handelt sich um einen eingedeutschten slawischen Familiennamen aus der Gruppe der Wohnstättennamen. Im Polnischen ist ‘rokita’ die Weide. Der Name steht also für Menschen, die in der Nähe von diesen Bäumen gewohnt haben. Der eingedeutschte Name ist selten, ca. 76 Namenträger, die vor allem im Sächsischen Raum leben. Geht man zurück in den Archiven, dann findet man den Ursprung in Pommern. Namenkundlich ein richtig schöner Name, eben weil er (für Deutsche) so besonders ist ;-D
*Ich habe einfach mal gegoogelt und siehe da, die Presse war schon viel schneller… – Solche “Besonderheiten” bleiben eben nicht unbemerkt. Der Bild schon gar nicht!
Von Claudia Rothe, am Juni 29th, 2012% Henry David Thoreau, amerikanischer Schriftsteller, hat einmal gesagt:
“Jede Generation lacht über Moden, aber folgt den neuen treu.”
Die Mitteldeutsche Zeitung hat diese Woche einen tollen Artikel über die Abgründe und Moden in der Vornamengebung gebracht. Die Überschrift ‘Crazy Horse Müller’ ist zwar schon ein alter Hut in Sachen Vornamengebung unter uns Namenforschern, aber nichtsdestrotrotz sind seine Verwandten immer noch aktuell – vor allem in der Presse.
Ich war positiv überrascht, dass meine Kollegin Yvonne Thormann zitiert wurde, denn ihre Arbeit zur Vornamengebung im Mansfelder Land ist herausragend gut und sehr lesenswert. Daher möchte ich hier gerne für Wissbegierige die Links zu den drei (!) Artikeln posten, damit die Studie der ehemaligen Sachsen-Anhaltinerin und gegenwärtigen Wahl-Londonerin etwas mehr Verbreitung und viel mehr Beachtung findet!
Die Artikel kann man entweder auf dem Blog von Namenforscher Knut Bielefeld lesen (die weiteren Teile sind unter dem Artikel verlinkt) oder man liest auf Onomastik.com, dem Namenkundeportal von Namenforscher Thomas Liebecke.
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