Leipzig klagt gegen Kulturraum-Gesetz

Die Stadt Leipzig wird vor Sachsens Verfassungsgerichtshof gegen die Kürzung der Kulturraumförderung klagen.

Der Stadtrat stimmte am Mittwochabend mit großer Mehrheit für ein Normenkontrollverfahren und folgte der Auffassung von Oberbürgermeister Jung (SPD), der die Änderung des Kulturraumgesetzes für verfassungswidrig hält.

Die Stadt stützt sich dabei auf ein Gutachten des Staatsrechtlers [Fritz] Ossenbühl, der unter anderem die Aufnahme der Landesbühnen in die Kulturraumförderung kritisiert. Durch die Kürzungen erhält Leipzig 1 Mio. € weniger für Oper, Gewandhaus und Theater.

Quelle: MDR Sachsen Text S. 161, Stand Do 23.6.11, 5:53Uhr

Linksammlung zum Thema:
- Sparmaßnahmen
- FDP Offener Brief
- Künstlerprotest gegen Sparpläne
- Streit um Kulturförderung
- Dt. Bühnenverein kritisiert Kürzungen

Kunst oder Kommerz?

Der Kampf um die Stadt – Thema ‘Gentrification’ auf Arte.

Die Doku befasst sich auch kurz mit der Kultur- und Kunstszene in Leipzig und stellt das wohl bekannteste Aushängeschild vor: Die Baumwollspinnerei, die durch Neo Rauch erst zu ihrer Bedeutung als Atelierhochburg Leipziger Künstler gelang. – Die Dokumentation “Kultur oder Kommerz” zeigt Perspektiven, um die Stadt von morgen sozial gerechter zu gestalten.


Ob in Berlin, Paris oder London – überall in Europa werden ganze Stadtviertel von Investoren umgepflügt. “Gentrification” nennen Soziologen diese Aufwertung.

Viele Menschen fühlen sich davon bedroht, denn steigende, oft unbezahlbare Mieten sind die Folge, und ein Stück originärer, lebendiger Stadtteilkultur geht verloren. Die Dokumentation “Kunst oder Kommerz? Der Kampf um die Stadt” zeigt, wie sich Künstler gegen diese Prozesse wehren. Denn sie sind die Pioniere, die Viertel mit günstigen Mieten entdecken und ihnen ein besonderes Flair geben – bis die ersten Investoren kommen.

Im Londoner Viertel “Hackney Wick” waren die Mieten früher bezahlbar, deshalb verschlug es über die Jahre Tausende von Künstlern hierher – bis London den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 erhielt. Jetzt fallen die Investoren ein und bauen riesige Anlagen für Olympia. Aus Protest hat Simon mit Hunderten von anderen Künstlern ein Festival organisiert. Trotzdem bleibt ihm nur die Hoffnung, dass er nicht zu denen gehört, die vertrieben werden.

In Hamburg war der Protest gegen geldgesteuerte Planungskultur erfolgreich. Im Sommer 2009 gründeten Künstler unter der Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter die Bewegung “Recht auf Stadt” und besetzten das historische “Gängeviertel”, um gegen den Verkauf an einen holländischen Investor zu protestieren. Der Hamburger Senat musste sich dem übermächtigen Druck beugen und das Gängeviertel vom Investor zurückkaufen.

In Paris, im ehemals jüdischen Viertel “Le Marais” hat “Jeudi Noir”, eine Gruppe aus Künstlern und Studenten, ein leerstehendes Schloss besetzt. Mit spektakulären Aktionen kämpfen sie gegen Leerstand, überteuerte Mieten und gegen die herrschende Wohnungsnot. Seit den 60er Jahren boomt hier die Spekulation. Heute gehört das Viertel zu den teuersten Wohngegenden von Paris – mit Luxusboutiquen und großen Caféhausketten, die nichts mehr vom jüdischen Charme spüren lassen.

Innenstadtnahe Ateliers in Paris oder London sind kaum noch bezahlbar, deshalb zieht es viele Künstler nach Berlin. Für sie ist Berlin angesagt, denn das Leben hier ist günstig. Jedenfalls in Neukölln, einem sozialen Brennpunkt der Hauptstadt, in dem vor allem Migranten leben. Hier wirbt die Stadt sogar dafür, dass Künstler leerstehende Läden beziehen und das Viertel beleben. Müssen auch hier bald die Künstler weichen? Und wird Neukölln in zehn Jahren ähnlich yuppisiert sein wie Berlin Mitte? Die Dokumentation “Kultur oder Kommerz” zeigt Perspektiven, um die Stadt von morgen sozial gerechter zu gestalten.*

Auf Arte.tv kann man die Doku vom 20. Juni 2011 nochmal anschauen! – Was mich interessieren würde, wo kommen denn die ganzen Yuppies her, die dann in die teuren In-Viertel ziehen? Ziehen die aus den alten Szenevierteln weg? So viele Yuppies kanns doch garnicht geben, dass ein Stadtteil nach dem anderen “gentrifiziert” wird, oder?

Tipps zur Vornamenwahl anno dazumal

Wenn sich werdende Eltern einen Vornamen für ihr Kind aussuchen müssen, haben sie es nicht sonderlich leicht. Dass es sicherlich oft mehrere Motive sind, die schließlich zur Wahl eines bestimmten Namens führen, wird kaum überraschen. Wenn wir uns die immense Anzahl der heutigen Vornamen anschauen und die Möglichkeiten, die uns das moderne Medienzeitalter geben, nach immer neuen Inspirationen zu suchen, dann sind vielleicht einige Tipps bei der Qual der Wahl des Rufnamens interessant. Auch vor über hundert Jahren kannte man das Problem und in dem Buch ‘Die deutschen Vornamen’ von Dr. Robert Franz Arnold aus dem Jahre 1901* stoßen wir auf 10 Hinweise (“Hilfen”, S. 36-62) zur Vornamenwahl, der Übersichtlichkeit hier als Liste:

1. Nachbenennung – Rückgriff auf Vornamen, die in der Familie üblich sind
2. Heilswunsch/ gutes Omen – Ausdruck eines Wunsches für das Kind
3. Heiligennamen – das Kind dem Schutz eines Heiligen oder Paten anvertrauen
4. Vorbildnamen 1 – aus Herrscherhäusern (nun, das Werk erschien 1901!)
5. Vorbildnamen 2 – nach Politikern usw.
6. Namen aus Literatur – nicht nur Namens aus Büchern, sondern auch Nachbenennung nach Autoren
7. klangvolle Namen – mit vollen Vokalen wie a, o, u und wenigen weichen Konsonanten sowie mehrsilbige Namen
8. Entlehnung aus anderen Sprachen
9. ungewöhnliche Namen – originelle Namen
10. unauffällige Namen – traditionelle, nicht modische Namen

Arnold reiht hier “Hilfen” auf, die man auch gut unter einem Punkt zusammenfassen kann, wie die Nachbenennung nach Personen in 1, 3-6. Ob man jetzt von Hilfe oder eher Namengebungsmotivationen spricht, sei dahingestellt.

Seit mehr als 200 Jahren steht der Grundsatz “Der Name soll schön, klangvoll sein” an oberster Stelle, und es ist nicht zu erwarten, dass er in absehbarer Zeit zugunsten irgendeines anderen Prinzips aufgegeben wird. [Er geht aber auch mit einem anderen Grundsatz einher]: “Der Name soll nicht (zu) oft vorkommen”.**

Was werdenden Eltern noch auf der Seele brennt, sind Fragen solcher Art:

1. Passt der Vorname zum Nachnamen?
2. Wird das Kind und seine Umgebung den Namen leicht und richtig aussprechen und schreiben können?
3. Wird der Name auch zu dem Menschen passen, der einmal aus diesem süßen kleinen Würmchen wird? Denn ein Mensch wird auch mal erwachsen!
4. Klingt der Name weiblich bzw. männlich oder besteht Verwechslungsgefahr?
5. Können abwertende, obszöne Kurzformen aus dem Wunschnamen kreiert werden, die meinem Kind schaden?

 

Update:
Interessanter Link in der aktuellen Presse
- Spiegel Online

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* Arnold, Dr. Robert Franz: Die Deutschen Vornamen, Wien, Adolf Holzhausen, 2. Auflage 1901, S. 36-62.
** Seibicke, Wilfried: Die Personennamen im Deutschen, Berlin, deGruyter, 2. Auflage, 2008, S. 114.

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