Wenn sich werdende Eltern einen Vornamen für ihr Kind aussuchen müssen,
haben sie es nicht sonderlich leicht. Dass es sicherlich oft mehrere Motive sind, die schließlich zur Wahl eines bestimmten Namens führen, wird kaum überraschen. Wenn wir uns die immense Anzahl der heutigen Vornamen anschauen und die Möglichkeiten, die uns das moderne Medienzeitalter geben, nach immer neuen Inspirationen zu suchen, dann sind vielleicht einige Tipps bei der Qual der Wahl des Rufnamens interessant. Auch vor über hundert Jahren kannte man das Problem und in dem Buch ‘Die deutschen Vornamen’ von Dr. Robert Franz Arnold aus dem Jahre 1901* stoßen wir auf 10 Hinweise (“Hilfen”, S. 36-62) zur Vornamenwahl, der Übersichtlichkeit hier als Liste:
1. Nachbenennung – Rückgriff auf Vornamen, die in der Familie üblich sind
2. Heilswunsch/ gutes Omen – Ausdruck eines Wunsches für das Kind
3. Heiligennamen – das Kind dem Schutz eines Heiligen oder Paten anvertrauen
4. Vorbildnamen 1 – aus Herrscherhäusern (nun, das Werk erschien 1901!)
5. Vorbildnamen 2 – nach Politikern usw.
6. Namen aus Literatur – nicht nur Namens aus Büchern, sondern auch Nachbenennung nach Autoren
7. klangvolle Namen – mit vollen Vokalen wie a, o, u und wenigen weichen Konsonanten sowie mehrsilbige Namen
8. Entlehnung aus anderen Sprachen
9. ungewöhnliche Namen – originelle Namen
10. unauffällige Namen – traditionelle, nicht modische Namen
Arnold reiht hier “Hilfen” auf, die man auch gut unter einem Punkt zusammenfassen kann, wie die Nachbenennung nach Personen in 1, 3-6. Ob man jetzt von Hilfe oder eher Namengebungsmotivationen spricht, sei dahingestellt.
Seit mehr als 200 Jahren steht der Grundsatz “Der Name soll schön, klangvoll sein” an oberster Stelle, und es ist nicht zu erwarten, dass er in absehbarer Zeit zugunsten irgendeines anderen Prinzips aufgegeben wird. [Er geht aber auch mit einem anderen Grundsatz einher]: “Der Name soll nicht (zu) oft vorkommen”.**
Was werdenden Eltern noch auf der Seele brennt, sind Fragen solcher Art:
1. Passt der Vorname zum Nachnamen?
2. Wird das Kind und seine Umgebung den Namen leicht und richtig aussprechen und schreiben können?
3. Wird der Name auch zu dem Menschen passen, der einmal aus diesem süßen kleinen Würmchen wird? Denn ein Mensch wird auch mal erwachsen!
4. Klingt der Name weiblich bzw. männlich oder besteht Verwechslungsgefahr?
5. Können abwertende, obszöne Kurzformen aus dem Wunschnamen kreiert werden, die meinem Kind schaden?
Update:
Interessanter Link in der aktuellen Presse
- Spiegel Online
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* Arnold, Dr. Robert Franz: Die Deutschen Vornamen, Wien, Adolf Holzhausen, 2. Auflage 1901, S. 36-62.
** Seibicke, Wilfried: Die Personennamen im Deutschen, Berlin, deGruyter, 2. Auflage, 2008, S. 114.