Kunst oder Kommerz?

Der Kampf um die Stadt – Thema ‘Gentrification’ auf Arte.

Die Doku befasst sich auch kurz mit der Kultur- und Kunstszene in Leipzig und stellt das wohl bekannteste Aushängeschild vor: Die Baumwollspinnerei, die durch Neo Rauch erst zu ihrer Bedeutung als Atelierhochburg Leipziger Künstler gelang. – Die Dokumentation “Kultur oder Kommerz” zeigt Perspektiven, um die Stadt von morgen sozial gerechter zu gestalten.


Ob in Berlin, Paris oder London – überall in Europa werden ganze Stadtviertel von Investoren umgepflügt. “Gentrification” nennen Soziologen diese Aufwertung.

Viele Menschen fühlen sich davon bedroht, denn steigende, oft unbezahlbare Mieten sind die Folge, und ein Stück originärer, lebendiger Stadtteilkultur geht verloren. Die Dokumentation “Kunst oder Kommerz? Der Kampf um die Stadt” zeigt, wie sich Künstler gegen diese Prozesse wehren. Denn sie sind die Pioniere, die Viertel mit günstigen Mieten entdecken und ihnen ein besonderes Flair geben – bis die ersten Investoren kommen.

Im Londoner Viertel “Hackney Wick” waren die Mieten früher bezahlbar, deshalb verschlug es über die Jahre Tausende von Künstlern hierher – bis London den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 erhielt. Jetzt fallen die Investoren ein und bauen riesige Anlagen für Olympia. Aus Protest hat Simon mit Hunderten von anderen Künstlern ein Festival organisiert. Trotzdem bleibt ihm nur die Hoffnung, dass er nicht zu denen gehört, die vertrieben werden.

In Hamburg war der Protest gegen geldgesteuerte Planungskultur erfolgreich. Im Sommer 2009 gründeten Künstler unter der Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter die Bewegung “Recht auf Stadt” und besetzten das historische “Gängeviertel”, um gegen den Verkauf an einen holländischen Investor zu protestieren. Der Hamburger Senat musste sich dem übermächtigen Druck beugen und das Gängeviertel vom Investor zurückkaufen.

In Paris, im ehemals jüdischen Viertel “Le Marais” hat “Jeudi Noir”, eine Gruppe aus Künstlern und Studenten, ein leerstehendes Schloss besetzt. Mit spektakulären Aktionen kämpfen sie gegen Leerstand, überteuerte Mieten und gegen die herrschende Wohnungsnot. Seit den 60er Jahren boomt hier die Spekulation. Heute gehört das Viertel zu den teuersten Wohngegenden von Paris – mit Luxusboutiquen und großen Caféhausketten, die nichts mehr vom jüdischen Charme spüren lassen.

Innenstadtnahe Ateliers in Paris oder London sind kaum noch bezahlbar, deshalb zieht es viele Künstler nach Berlin. Für sie ist Berlin angesagt, denn das Leben hier ist günstig. Jedenfalls in Neukölln, einem sozialen Brennpunkt der Hauptstadt, in dem vor allem Migranten leben. Hier wirbt die Stadt sogar dafür, dass Künstler leerstehende Läden beziehen und das Viertel beleben. Müssen auch hier bald die Künstler weichen? Und wird Neukölln in zehn Jahren ähnlich yuppisiert sein wie Berlin Mitte? Die Dokumentation “Kultur oder Kommerz” zeigt Perspektiven, um die Stadt von morgen sozial gerechter zu gestalten.*

Auf Arte.tv kann man die Doku vom 20. Juni 2011 nochmal anschauen! – Was mich interessieren würde, wo kommen denn die ganzen Yuppies her, die dann in die teuren In-Viertel ziehen? Ziehen die aus den alten Szenevierteln weg? So viele Yuppies kanns doch garnicht geben, dass ein Stadtteil nach dem anderen “gentrifiziert” wird, oder?

Katja Kullmann über den Ausverkauf der Kreativen

Kurzerhand ein Fernseh- und Buchtipp.

Erster bezieht sich auf die heutige Sendung ‘Kulturzeit’ auf 3sat. (lief vorab auf ZDF aspekte, siehe Link unten) Erfolgsautorin Katja Kullmann berichtet über ihr Auf und Ab in der Kreativwirtschaft. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem neuen Buch verarbeitet.

Katja Kullmann ist als Gewinnerin geboren – ein verwöhntes Mittelstandskind, hervorragend ausgebildet, mit imposantem Lebenslauf, intelligent und talentiert. Mit Anfang 30 schreibt sie 2002 einen Bestseller. Mit Ende 30 beantragt sie Hartz IV. Sie ist pleite und muss auf’s Amt – davon erzählt sie in ihrem neuen Buch “Echtleben”.

Das Buch ‘Echtleben’ ist im Eichborn Verlag erschienen. Ihre Sicht auf die Kreativwirtschaft, grade vom Standort Berlin aus, ist sehr interessant.

“Blase “Kreativ-Wirtschaft”

Katja Kullmanns Geld vom Bestseller ist nach sieben Jahren aufgebraucht. Damit hatte sie ihre Selbständigkeit praktisch finanziert. Die Sache mit Hartz IV hält sie in Berlin ein Jahr geheim, dann kommt ein Anruf aus Hamburg – sie fängt als Führungskraft in einem Verlag an. Jetzt sitzt sie plötzlich auf der anderen Seite. “Ich habe Telefonate geführt, genau wie andere Kollegen in anderen Verlagen auch, mit Freien, die seit zwei Jahren eine Rubrik betreuen. Irgendwann kam der Tag X und ich musste die Kollegin anrufen und sagen ‘Wir würden gern mit dir weiterarbeiten, ab jetzt für die Hälfte, du hast eine Woche, also überleg’s dir, ich kann dir kein anderes Angebot machen.’ So funktioniert Kreativ-Wirtschaft.”

Weitere Links:

Leipziger Buchmarkt Thema beim dritten Klub Analog

Der Verein Kreatives Leipzig e.V. hat auch im April (11.4.) wieder zu einer Veranstaltung aus der Reihe Klub Analog geladen. Thema des Abends war der Leipziger Buchmarkt. Leipzig Fernsehen berichtete am 12. April:

 

2011-04-12 Leipzig Fernsehen

Die LVZ berichtete ebenfalls  am 13. April. Zu Gast waren:

- Leipziger Verlag: Sebastian Wolter, Voland Quist
- Leipziger Autor: Michael Schweßinger
- DLL: Claudius Nießen
- Leander Wattig, Initiator und Organisator von “Ich mach was mit Büchern“

Moderiert wurde der Abend von Susanne Tenzler-Heusler (früher Pressesprecherin der Buchmesse).

In den nächsten Treffen geht es um Software, Games und Film.

Namenkompetenz für alle Arten von Namen! Vornamen, Familiennamen, Ortsnamen, Flurnamen, Flussnamen...

Ich mach was mit Büchern

Termine

100 Jahre Namenforschung in Leipzig1909-2009

Namenforschungsworkshop für Deutschlehrer unter Fortbildungsportal Rheinland-Pfalz

Le Klub Analog - Buchmarkt Leipzig

Kostenfreie Veranstaltungen für mittelständische Unternehmen der IHK Halle/Saale unter www.mdc-ecomm.de

Workshop zur digitalen Familiennamenforschung am 16.9.2011 in Wien ÖAW weitere Infos