Nach 1800 fing das Namengut an sich stark zu wandeln und neue Namen durchdrangen alle Schichten. Nachdem im 17. und 18. Jahrhundert Frankreich den Ton angab, so kamen die Moden in Kunst, Literatur, Architektur und auch der Vornamengebung nun bestimmend aus England. Die Gesellschaft begann sich zu wandeln, die Bevölkerung wuchs stetig. Vor allem die schnell wachsende Schicht der Arbeiter löste sich aus dem traditionellen Bild des 18. Jahrhunderts und die Namen wurden „nicht nur zum Ausdruck einer gesellschaftlichen Zugehörigkeit als [auch] vielmehr zum Ausdruck eines sich herausbildenden persönlichen Selbstverständnisses [ausgewählt]. In ihr kommen zunehmend persönliche Überzeugungen und Interessen zum Ausdruck,“ die die Namengebungsweisen des vorigen Jahrhunderts zurück ließ.
Vergleicht man den Namenschatz des 18. Jahrhunderts, wurde dieser zunehmend von konservativen und konventionellen Tendenzen beherrscht und ließ immer weniger Neuerungen zu. Dass wir in Leipzig eine solch homogene Schicht von Doppelnamen vorfinden, liegt wohl auch daran, dass einerseits die soziale Struktur in der Stadt an der Pleiße eine andere war als zum Beispiel in Nürnberg. Denn „in Leipzig gab es keine geschlossene Patrizierschicht, die das Stadtregiment innehatte“, sondern wurde von Kaufleuten geprägt, die auch fremde Namen in die Stadt brachten. Man denke nur an die französische Gemeinde, deren Gegenwart und Integration in der Messestadt die Beliebtheit von französischen Namen nur fördern konnte.
Während die deutschen Rufnamen um 1500 verschwunden waren, stieg ihre Vergabe in den folgenden zwei Jahrhunderten wieder langsam an, um im 18. Jahrhundert sprunghaft 11% zu erreichen. Jedoch handelte es sich hierbei um eine völlig neue Namenschicht, gebildet nach alten Mustern, welche dann die herrschenden Namen der Zeit darstellten. Von der religiösen Bewegung des Pietismus gefördert fanden sie ab dem beginnenden 18. Jahrhundert breitere Wirkung im Volk und durchwirkten dann das gesamte Jahrhundert. Obwohl ihr Vorbild wohl eher beim Adel zu suchen war, bei dem der Ausdruck eines religiösen Bedürfnisses weniger zum Ausdruck kam als ein Dynastisches, stellen die Doppelnamen pietistischer Form „gewissermaßen eine Modeströmung im Sinne einer individuellen, persönliche Überzeugung und Interessen spiegelnden Namengebung wider, in welcher sich das Vorbild durch die prestigereichere soziale Schicht und das religiöse Bedürfnis treffen.“
Hitliste der häufigsten weiblichen Rufnamen
Johanna – 812
Christiana – 567
Maria – 497
Sophia – 341
Dorothea – 276
Elisabeth – 233
Rosina – 188
Regina – 122
Wilhelmina – 121
Henriette – 102







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